8 Tipps für die (fast) unschlagbar günstige Zugreise

Reisen mit dem Zug ist die umweltfreundlichste Art und Weise, um von A nach B zu kommen – wenn man mal vom Fahrrad und den eigenen Füßen absieht, die bei längeren Strecken beide nur langfristig zielführend sind. Damit hat es sich dann auch schon mit den Vorteilen der Bahn. Sie ist permanent zu spät, Züge fallen aus, die Reisen dauern ewig und sie ist auch noch viel zu teuer. Doch stimmt das? Ich räume in diesem Artikel zumindest mit letzterem Vorurteil auf und zeige, wie man (fast) unschlagbar günstig mit dem Zug reisen kann.

1.Sparpreise buchen

Bei der Bahn gibt es für jede Strecke ein bestimmtes Kontingent an Sparpreisen. Das bedeutet, dass man mit dem Deutschland Spezial für 29 € in ganz Deutschland und dem Europa Spezial für 39 € in alle Nachbarländer Deutschlands von A nach B kommt. Allerdings gilt hier wie bei allen Buchungen bei der Bahn: Früh buchen lohnt sich! Wer nur eine Woche vor Reisebeginn buchen möchte, hat oft schlechte Karten, was die Sparpreise angeht. Bei Sparpreisen gilt es allerdings zu beachten, dass es eine Zugbindung gibt, das heißt, ihr müsst in den angegebenen Zügen fahren und könnt nicht spontan früher oder später fahren. Benötigt ihr mehr Flexibilität, ist der teurere Flexpreis etwas für euch.

2. Bahncard kaufen

Das wichtigste für das günstige Zugfahren ist eine BahnCard. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: die BahnCard25 und die BahnCard50. Beide reduzieren den eigentlichen Preis um 25% bzw. 50%. Allerdings muss man hier auf ein paar Feinheiten achten. Die BC25 ist besonders geeignet, wenn man oft längere Strecken mit IC, ICE oder EC  und selten kurze mit Regionalbahnen fährt, da man mit ihr 25% auf alle Sparpreise bekommt. Das heißt, dass man ein Ticket des Deutschland Spezial für 21,75 € bekommt. Bei der BC50 gibt es diesen Rabatt auf Sparpreise nicht bzw. nur eingeschränkt. Seit kurzem bekommt man auch mit ihr 25% (kein Tippfehler) auf die Sparpreise, allerdings nur auf Strecken mit Fernverkehrszügen.

Ein Beispiel: Ich möchte mit dem Zug von Kiel nach Stuttgart fahren. Mit der BC25 kostet mich diese Strecke 21,75 €. Dieselbe Strecke kostet mich mit der BC50 jedoch 29 €, da ich mit dem Regionalzug von Kiel nach Hamburg fahren muss.

Bei der Strecke Tübingen nach Stuttgart, die man nur mit dem Regionalzug fahren kann, ist es genau umgekehrt. Mit der BC50 bezahlt man 7,15 € und mit der BC25 jedoch 10,70 €.

Bevor man sich also eine BahnCard kauft, sollte man abwägen, welche Strecken am häufigsten gefahren werden. Je nach Alter gibt es dann auch noch Unterschiede im Preis. Am besten könnt ihr das hier selbst nachlesen.

3. Flexibel sein bei den Abfahrtszeiten

Gerade wenn kurzfristig gebucht wird, kann es sein, dass es Sparpreise nur noch zu unangenehmen Uhrzeiten gibt. Wenn man diese aber akzeptiert, kann so schnell viel Geld gespart werden.

4. Zu weit buchen

Das klingt erst einmal komisch, mit ein bisschen rumtricksen klappt aber auch das. Ist für einen bestimmten Zielort, insbesondere nahe der deutschen Grenze, kein Sparpreis mehr verfügbar, kann man versuchen, ein Europaspezial in eine andere Stadt zu buchen. Optimalerweise führt diese Verbindung sogar durch das Ziel und man muss nur aussteigen. Falls nicht, kann sich ein kleiner Umweg lohnen.

Beispiel: Das Ziel ist Rostock, es gibt aber keine Sparpreise mehr. Ich buche also ein Europa Spezial Ticket nach Kopenhagen und steige in Hamburg in einen Zug nach Rostock um. Zugegeben: Das ist bei der Buchung etwas kompliziert und es funktioniert nicht immer, kann aber doch manchmal beim Sparen helfen.

5. Nicht bei der Bahn direkt buchen

Auf der Seite bahn.ltur.com können auch sehr kurzfristig noch günstige Tickets gekauft werden. So konnte ich oft auch für Reisen am kommenden Tag noch Tickets kaufen, die bei einer Buchung bei der Bahn direkt um ein vielfaches teurer gewesen wären.

6. in Gruppen reisen

Wer mehrere Bundesländer durchquert, ist mit dem quer-durchs-Land-Ticket günstig beraten. Das Ticket für die erste Person kostet dabei 44€, für jede weitere zusätzlich 8€. Wer also zu dritt reist, bezahlt pro Person 20€. Kleiner Nachteil: Es dürfen nur Regionalzüge und S-Bahnen genutzt werden. Bei langen Strecken sollte man also viel Zeit einplanen. Wer samstags oder sonntags reist, ist mit dem Schönes-Wochenende-Ticket noch günstiger dran.

Wer innerhalb eines Bundeslandes reist, kann auch vom jeweiligen Länderticket Gebrauch machen. Hier variieren die Preise von Land zu Land etwas.

7. Keinen Platz reservieren

Es gibt bei der Bahn die Möglichkeit, sich einen Sitzplatz zu reservieren. Für 4,50 € pro Zug kann man entspannt am Bahnsteig stehen und muss sich keinen Sorgen darüber machen, ob man die nächsten Stunden im Stehen verbringen muss. Dieses Geld kann man sich aber nach meiner Erfahrung sparen. Ich fahre sehr viel Zug und war bisher nur einmal in einem Zug, der so voll war, dass ich stehen musste – und das auch nur bis zur nächsten Haltestelle. Sollte es wirklich keinen Sitzplatz geben, kann man sich auch ins Bordrestaurant setzen und einen Kaffee trinken, der kostet weniger als die 4,50 €.

8. Alternative Anbieter nutzen

Inzwischen gibt es zwei (mir bekannte) direkte Konkurrenten der Bahn auf Fernverkehrsstrecken. Der neueste ist hierbei Locomore, der die Strecke Stuttgart nach Berlin für ab 22€ bedient und in naher Zukunft das Streckennetz ausbauen möchte. Das besondere an Locomore ist die Ausstattung der Züge. Man kann es sich sowohl im Großraumabteil gemütlich machen als auch in einem der Themenabteile sich mit Mitreisenden austauschen.

Ein weiterer Anbieter ist HKX für die Strecke Köln-Hamburg, die ab 18€ zu haben ist. Für Reisende aus und in NRW könnte sich zudem ein Besuch bei Thalys lohnen. Dort sind u.a. Aachen, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Duisburg im Angebot. Dort werden insbesondere Reisen in die Niederlande und Belgien angeboten aber auch Paris und London sind im Angebot (danke für diesen Tipp von einem/r LeserIn!). Leider ist es nicht einfach, der Bahn auf diesem Gebiet Konkurrenz zu machen, weshalb die Zahl der alternativen Anbieter noch sehr gering ist.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich diese Möglichkeiten herausgefunden habe und es ist beim besten Willen nicht einfach, bei der Bahn den Überblick zu behalten. Diese Tipps werden aber hoffentlich dabei helfen, sich bei der nächsten Reise für den Zug zu entscheiden.

Ich bin mir sicher, dass es noch weitere Möglichkeiten gibt, ein günstiges Bahnticket zu ergattern. Falls ihr da noch weitere habt, so lasst es mich doch über einen Kommentar unten wissen.

In diesem Sinne eine gute nächste Reise!

Euer Philipp

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Philipp

philipp@einfachleben.blog

3 Gedanken zu „8 Tipps für die (fast) unschlagbar günstige Zugreise

  1. Dennis Waltz sagt:

    Manchmal ist es auch sinnvoll, Tickets in mehreren Abschnitten zu buchen, beispielsweise wenn man weitgehend nur durch ein Bundesland fährt. Dann kommt für den Abschnitt bis zur Landesgrenze ein Länder-Ticket oder ein Regio120-Ticket in Frage und danach nochmal eine Einzelfahrt als Anschlussfahrschein.
    Beispiel: Ich fahre von Halle (Saale) nach Perleberg. Da sagt die Bahn, das kostet über 30€. Wenn ich aber ein Regio120+-Ticket bis Wittenberge für 20€ (oder ein Sachsen-Anhalt-Ticket, wenn die Gruppe aus mehr als 1 Person besteht) kaufe und dann für etwa 2€ eine Einzelfahrt Wittenberge -> Perleberg, reise ich für unter 25€.

    Apropos Länder-Ticket: man kann sich auch immer Mitfahrer suchen und dann kräftig sparen. Brandenburg-Berlin-Ticket Single 22€, für 5 Personen 29€ – bei 5 Personen also unter 6€ pro Nase.

  2. Anonymous sagt:

    Für NRW (bis Dortmund) und die BeNeLux-Länder gibit es auch noch Thalys; die bieten auch günstige Frühbuchertickets an.

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