Ein Tag lang müllfrei leben

Im November 2017 haben Philipp und ich einen Workshop an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel durchgeführt, bei welchem wir gemeinsam mit unseren TeilnehmerInnen überlegten, wie man seinen Alltag müllfrei(er) gestalten kann. Um dies ein wenig zu sortieren, sind wir gemeinsam einen Tag durchgegangen, haben überlegt wo welcher Müll anfällt und wie man diesen vermeiden kann. Dieser Artikel ist das Ergebnis dieses Workshops – hier findet ihr jede Menge Tipps, Rezepte und Ideen, wie man Müll im Alltag vermeiden kann.

Im Bad

Der Tag startet mit einer Dusche zum wach werden. Dort verwende ich seifenförmiges Shampoo und Duschgel. Der Rasierer ist plastikfrei und statt Rasiergel kann man ganz einfach Kokosöl verwenden. Nach dem Duschen kann man sich mit selbstgemachter Bodylotion eincremen, die sich auch für meine trockene und empfindliche Haut eignet. Selbstgemachtes Deo konnte mich hingegen bisher leider nicht überzeugen. Einige nutzen eine Mischung aus Wasser und Natron, doch bei mir juckte diese Mischung, so dass ich mein Deo nach wie vor in einer Glasverpackung kaufe. Alternativ bekommt man Deo auch am Stück oder in unverpackt Läden als  Deocreme. Auch die Periode lässt sich müllfrei gestalten. Für alle weiblichen LeserInnen findet ihr hier Infos über die Menstruationstasse als eine müllfreie Alternative zu Tampons und Co.

Müllfreies Schminken

Das ist eine Herausforderung – ich schaffe es bisher nicht. Doch habe ich meine Schminkutensilien reduziert und bin auf Ökoprodukte umgestiegen. Ich verstehe, wenn manche nicht komplett auf Make-up verzichten wollen, doch kann man sich bei jedem Teil fragen – brauche ich das wirklich? Brauche ich den zehnten Lidschatten oder Nagellack? Ich habe meine Schminkutensilien ganz einfach reduziert und denke zweimal nach, bevor ich mir ein neues Teil kaufe und produziere dadurch deutlich weniger Müll.

Frühstück

Nun wird erstmal gefrühstückt, dabei gibt es bei uns jeden Morgen Müsli mit Haferflocken aus dem unverpackt Laden, selbstgemachte Hafermilch, Leinsamen (Superfood) und Obst. Dazu essen wir selbstgebackenes Brot mit eigenem Aufstrich oder Löwenzahnhonig. Zu trinken gibt es meistens Leitungswasser oder Tee (getrocknete Minze und Brennessel aus unserem Garten). Und damit ist unser Frühstück komplett müllfrei. Und nach dem Essen? Zähneputzen nicht vergessen! Alles zum Thema plastikfreien Zähneputzen mit Bambuszahnbürste und selbstgemachter Zahnpasta finde ihr hier. Statt selbstgemachter Zahnpasta kann man jedoch auch Zahnputztabs nutzen, die man im Laden oder auch im Internet bekommt.

Abspülen

Nach dem Frühstück muss bei uns abgespült werden (wir haben leider keine Spülmaschine). Das Spülmittel kann man selbst aus Kartoffelschalen oder Kastanien herstellen, oder bekommt es im unverpackt. Unser Spüllappen ist aus Stoff und waschbar, unsere Spülbürste aus Holz – so dass wir auch dort ohne Plastik auskommen.

Wäsche waschen

Bevor es zur Uni geht mache ich noch schnell die Waschmaschine voll, hier findet ihr jede Menge Tipps zum umweltfreundlichen Waschen. Unser Waschmittel machen wir auch
selbst aus Kastanien mit ein paar Tropfen ätherischem Öl, das wäscht super und durch das ätherische Öl riecht es auch gut.

Vesper

Jetzt noch schnell etwas fürs Mittagessen eingepackt, dazu nutzen wir praktische Stoffbeutel für
Brote und Boxen, in denen die Reste vom Abendessen sind. Dazu eine umweltfreundliche Trinkflasche. Kaufen wir uns doch mal etwas an der Uni, lässt sich auch hier Müll sparen: beispielsweise beim Bäcker (direkt auf die Hand, statt in eine Bäckertüte) oder in der Mensa (brauche ich wirklich eine Serviette?).
Und der Kaffee zwischendurch wird selbstverständlich nicht im to-go-Becher getrunken. Hier lest ihr, ob der Bambusbecher eine sinnvolle Alternative ist. Beim Bäcker kann man einen Stoffbeutel, statt einer Papiertüte nutzen. Meist wollen die VerkäuferInnen den Beutel aus Hygienegründen nicht hinter die Theke nehmen, doch sie können euch die Teigwaren einfach über die Theke reichen. Am Besten hat man auch immer eine Gabel in der Tasche dabei, so kann man auf Einmalbesteck verzichten (z.B. auch bei Festivals, Weihnachtsmärkten oder anderen Veranstaltungen).

EinkaufeN

Nach der Uni geh ich noch schnell für die nächsten Tage einkaufen. Müllfreies Einkaufen
scheint auf dem ersten Blick unmöglich, wir haben euch hier jedoch jede Menge Tipps zusammengestellt wie man es auch ohne unverpackt Laden so müllfrei wie möglich hinbekommt. Zudem kann man den Verpackungsmüll zumindest verringern, indem man lang haltbare Produkte wie Nudeln, Reis, Bulgur, etc. in möglichst großen Gebinden kauft. Bei Gemüse sollte man der Umwelt zuliebe nicht nur auf biologischen Anbau achten, sondern auch ob das Produkt saisonal und regional ist.

Abendessen

Abends kochen wir immer, hier kann man viel Müll vermeiden indem man mit frischen Zutaten kocht (und Geld sparen: hier haben wir untersucht ob unverpackt essen teuer ist). Tomatensoße kann man selbst einkochen und aufbewahren, ebenso wie Apfelmus. Kauft man solche Produkte doch ein, sollte man darauf achten Glas- statt Aluverpackungen zu kaufen. Bleibt etwas vom Abendessen übrig, kann man es in den Kühlschrank oder im Winter auf dem Balkon (unser Kühlschrank im Winter) lagern. Dabei braucht man keine Frischhaltefolie, sondern kann das Essen ganz einfach mit einem Teller oder Deckel abdecken. Eine andere Alternative zu Frischhaltefolie sind auch Bienenwachstücher. Noch länger haltbar bleibt das Essen natürlich im Gefrierfach, auch hier kann man auf Plastiktüten verzichten und das Essen einfach in leeren Schraubgläsern einfrieren.

Snack

Abends  wird dann gerne etwas gesnackt. Wir machen häufig Brotchips – die
sind zum einen sehr lecker und zum anderen eignen sie sich wunderbar um altes Brot zu verwerten. Sie lassen sich problemlos mehrere Wochen aufbewahren, so dass man sich immer einen kleinen Vorrat anlegen kann. Alternativen sind selbstgemachte Müsliriegel oder Nüsse, die man häufig auch im normalen Supermarkt unverpackt kaufen kann.

Im Bad

Abends werden dann wieder Zähne geputzt und ich schminke mich ab. Dazu nehmen ich keine Wattepads mehr, sondern ein Kosmetiktuch – das funktioniert genauso gut und ich spare eine Menge Müll. Statt Abschminköl kann man Kokosöl oder ganz einfach Olivenöl oder jedes andere Öl (das ist regionaler) verwenden. Das schminkt genauso gut ab, pflegt die Haut und enthält keine künstlichen Zusatzstoffe.

Soweit unser müllfreier Tag. Er ist mit Sicherheit nicht vollständig oder perfekt, aber bietet hoffentlich ein paar Denkanstöße und Ideen für alle, die sich noch nicht so intensiv mit dem Thema auseinander gesetzte haben. Alle Städte, die einen unverpackt Laden haben (einen Liste findet ihr hier), sind natürlich klar im Vorteil. Doch auch ohne unverpackt Laden gibt es zahlreiche Möglichkeiten Müll zu vermeiden.

Habt ihr noch Ideen und weitere Vorschläge, wie man in seinem Alltag Müll vermeiden kann? Ich freue mich auf euer Feedback!

Eure Lena

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Lena

lena@einfachleben.blog

2 Gedanken zu „Ein Tag lang müllfrei leben

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