Fleischkonsum und das Tierwohl von Schweinen

Für die meisten Leute scheint Tierschutz ein wichtiges Thema zu sein. So gaben in einer Online-Befragung von VerbraucherInnen im November 2015  2/3 aller VerbraucherInnen an, dass ihnen Tierschutz wichtig ist. Für nur 13,1% ist das Thema bedeutungslos. Dennoch macht der Anteil von Biofleisch im Jahr 2016 bei Geflügel nur 1,4 Prozent, bei Rotfleisch (Schwein, Rind, Lamm, Schaf und Kalb) 1,8 Prozent und bei Fleisch- und Wurstwaren sogar nur 1,2 Prozent aus. Obwohl so vielen Menschen der Tierschutz am Herzen zu liegen scheint, kaufen die allermeisten trotzdem  immer noch konventionelles Fleisch und deshalb will ich in diesem Artikel zeigen, wie sich dieser Fleischkonsum auf das Tierwohl von Schweinen auswirkt, da Schweinefleisch das meistgekaufte Fleisch in Deutschland ist.

Als ich mit 8 Jahren beschloss, Vegetarierin zu werden, hatte das nur einen einzigen Grund: mir taten die Tiere leid! Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass wegen mir ein Tier sterben musste. Mit der Zeit kamen zu diesem Argument einige weitere dazu, wie z.B. der schädliche Einfluss von zu großem Fleischkonsum auf unsere Umwelt  und unsere Gesundheit aber dieser eine Grund ist nach wie vor ausschlaggebend dafür, dass ich schon so lange Zeit komplett auf Fleisch verzichte. Deshalb zeige ich mit diesem Artikel, wie sich unser Fleischkonsum auf das Wohl vieler Tiere auswirkt. Wer vor Augen hat, dass Tiere empfindsame, soziale Wesen sind, fragt zu Recht nach den Bedingungen, unter denen sie gehalten und geschlachtet werden.

Schweine

Schweine sind äußerst intelligente, neugierige und lernfähige Tiere. Man geht davon aus, dass Schweine mehr Kommandos lernen können als Hunde. Schweine gehören neben Schimpansen, Elefanten und Delfinen zu den intelligentesten Tieren der Welt und gelten als mindestens so klug wie 3-jährige Kinder. Ihr natürlicher Lebensraum sind Wälder mit Büschen, wo die weiblichen Tiere in Gruppen mit einer klaren Sozialstruktur leben, die von dem erfahrensten Weibchen angeführt wird. Die meiste Zeit des Tages verbringen Schweine damit, mit ihrem Rüssel den Boden auf der Suche nach Pilzen, Knollen und Wurzeln zu durchwühlen. Ihre natürliche Lebenserwartung liegt bei etwa 15 Jahren.

Doch die wenigsten Schweine in Deutschland leben in ihrem natürlichen Lebensraum, stattdessen werden in Deutschland rund 28 Millionen Schweine zum Zweck der Fleischproduktion gehalten: etwa 12 Millionen Mastschweine,  knapp 14 Millionen Jungschweine und Ferkel und über 2 Millionen Zuchtschweine. Für die Mast werden sowohl männliche als auch weibliche Tiere genutzt.

Schweinezucht

Um einen maximalen Gewinn bei der Fleischproduktion zu erzielen, werden Mastschweine auf ein extrem beschleunigtes Wachstum und eine hohe Fleischfülle hin gezüchtet. Ihre Körperproportionen werden dabei den Verbraucherwünschen angepasst (z. B. Verringerung des Rückenspeckanteils bzw. Erhöhung des Magerfleischanteils und Vergrößerung des Schinkenanteils). Dieser Überzüchtung können die jungen Tierkörper nicht standhalten. Die übermäßige Belastung führt zu Gesundheitsstörungen und teilweise schwerwiegenden Erkrankungen, die mitunter zum frühzeitigen Tod der Tiere führen. Etwa 3 % der Mastschweine sterben noch vor Erreichen des Schlachtalters. Und schon bei den Ferkeln, die noch gesäugt werden, herrscht üblicherweise eine sehr hohe Sterblichkeit von ca. 14 %.

Haltungsbedingungen/Intensivmast

Bei der Produktion von Schweinefleisch ist die Intensivmast die Regel. Unter natürlichen Bedingungen sind Schweine erst mit 3 bis 4 Jahren vollständig ausgewachsen. Doch die intensive Mast dauert nur etwa 6 Monate, d.h. die Tiere werden innerhalb von 6 bis 7 Monaten auf ein Endgewicht von 110 bis 125 kg gemästet und noch im Jugendalter geschlachtet. Mit der Massentierhaltung sind auch körperliche Eingriffe in die Tiere verbunden. Dazu gehört die betäubungslose Kastration männlicher Ferkel, das Abschneiden der Ringelschwänze und das Abschleifen der Zähne – brutale Maßnahmen, mit denen die Tiere für das intensive Haltungssystem passend gemacht werden sollen, damit sie sich nicht gegenseitig verletzten.

Mastschweine werden in der Regel in Buchten in Gruppen  von 12 bis 20 Tieren gehalten. Dort haben sie kaum Platz zur Verfügung. Für Schweine mit einem Körpergewicht von über 50 bis 110 kg ist eine Mindestbodenfläche von lediglich 0,75 m² pro Schwein vorgesehen, für Schweine mit einem Gewicht von über 110 kg gerade einmal eine Fläche von 1 m² – das ist weniger Platz als in einer normalen Badewanne. Hinzu kommt der harte Spaltenboden in den Buchten. Dies ist mit vielen Krankheiten und Verhaltensstörungen verbunden. Aufgrund der reizarmen, langweiligen Umgebung liegen die Mastschweine täglich stundenlang auf den harten Betonböden. Dies begünstigt schmerzhafte Gelenkerkrankungen, offene Hautwunden und Schleimbeutelentzündungen.

Stroh als Einstreumaterial könnte einen Teil dieser Probleme lösen, es erhöht den Liegekomfort und kann zum Wühlen und Kauen dienen. In Systemen mit Spaltenböden wird es jedoch nicht eingesetzt, da es die Spalten und die darunter liegenden Abflusskanäle verstopfen würde. Eine Unterbringung auf festem Boden mit Einstreu ist wiederum mit mehr Kosten und einem höheren Arbeitsaufwand verbunden, kommt also aus wirtschaftlichen Gründen kaum zum Einsatz.

Schwanz- und Ohrenbeißen

Wie bereits gesagt verbringen Schweinen natürlicherweise den Hauptteil des Tages (7-8 Stunden) mit der Nahrungssuche. Da Mastschweine in der Intensivhaltung jedoch energiereiches Mastfutter bekommen, brauchen sie für die Nahrungsaufnahme lediglich 10-20 Minuten pro Fütterung. Damit fehlt ihnen jegliche Beschäftigung, was bereits im Ferkelalter zu Ersatzhandlungen an Stallgegenständen und Körperteilen von Artgenossen führen kann. Dieses Fehlverhalten entwickelt sich im Laufe der Mast weiter zu Verhaltensstörungen, bei denen sich die Schweine gegenseitig in den Schwanz und die Ohren beißen. Treten beim Schwanzbeißen Verletzungen mit Blutaustritt auf, werden auch andere Artgenossen dazu angeregt, in die Wunde zu beißen, was letztlich zu Kannibalismus und im schlimmsten Fall zum Tod des Tiers führen kann. Als Gegenmaßnahme wird kleinen Ferkeln der Schwanz gekürzt, aus dem Kalkül heraus, dass der verbleibende Schwanzstumpf empfindlicher ist als die Schwanzspitze eines intakten Schwanzes: Beißopfer wehren sich so schneller und versuchen, sich den Artgenossen schneller zu entziehen, was in den kleinen Buchten ohne Ausweichmöglichkeit jedoch kaum möglich ist. Außerdem werden Schweine mit kupierten Schwänzen mitunter Opfer anderer Fehlhandlungen wie dem Gelenk- oder Scheidenbeißen.

Schlachtung

Schlachtung ist ein Thema, das die meisten Menschen lieber beiseite schieben und gar nicht genau wissen wollen, was da passiert. Ich habe dieses Kapitel aber ganz bewusst mit in diesen Artikel genommen, da es zum Fleischkonsum unweigerlich dazu gehört.

In Deutschland wurden im Jahr 2015 59,2 Mio. Schweine geschlachtet. Die Schlachtung setzt sich aus der Betäubung und der Tötung durch Blutentzug zusammen. Für die Betäubung sind unterschiedliche Methoden gängig, wobei die Gas- oder Elektrobetäubung am weitesten verbreitet sind.

Bei der Betäubung mit Gas werden die Mastschweine in einer automatisch betriebenen Gondel in eine Kammer oder Grube befördert, in der eine rund 90-prozentige Kohlendioxid-Konzentration herrscht. Die Exposition mit CO2 führt zuerst zur Hyperventilation gefolgt von Atemnot und bewirkt das Gefühl des Erstickens. Die eingesperrten Mastschweine schnappen verzweifelt nach Luft und versuchen zu fliehen, bis die Betäubungswirkung langsam einsetzt (ca. eine halbe Minute) und sie ihr Bewusstsein verlieren. Es kommt jedoch häufig zu Fehlbetäubungen durch eine zu niedrige CO2-Konzentration oder eine zu geringe Verweildauer in der Gasgrube oder -kammer.

Zur Elektrobetäubung werden mehrere Schweine in einer Bucht zusammengetrieben, wo sie nacheinander manuell mit einer Betäubungszange am Kopf gegriffen und über eine Hirndurchströmung elektrisch betäubt werden. Während der gesamten Prozedur der Betäubung und Entblutung sind unbetäubte Mastschweine anwesend, die die Tötung ihrer Artgenossen aus nächster Nähe miterleben, bevor sie selbst an die Reihe kommen. In großen Schlachtbetrieben wird die Betäubung vollautomatisch durch einen sogenannten Restrainer durchgeführt, der die Tiere einzeln erfasst und bis zu den Elektroden vorwärts schiebt. Die Durchströmung des Gehirns bewirkt einen epilepsieähnlichen Anfall, wodurch das Bewusstsein nach etwa 0,2 Sekunden ausgeschaltet wird. Der häufigste Fehler bei der Elektrobetäubung ist ein falscher Ansatz der Elektroden im Zuge der Akkordarbeit. Dann kommt es anstatt zu einer Betäubung zu einer hochgradig schmerzhaften elektrischen Durchströmung. Der gesamte Körper verkrampft und die Tiere sind für eine gewisse Zeit bewegungsunfähig, was fälschlich als erfolgreiche Betäubung gedeutet werden kann – eine betäubende Wirkung fehlt jedoch völlig und die Tiere werden bei Bewusstsein geschlachtet. Laut der Bundesregierung tritt bei diesem Betäubungsverfahren bei zwischen 3,3 % der Schweine (bei automatischen Betäubungsanlagen) und bis zu 12,5 % der Schweine (bei handgeführten Betäubungsanlagen) eine Fehlbetäubung auf. In diesem Fall sind die Tiere während des Durchschneidens der Schlagadern und der Entblutung bei Bewusstsein.

Direkt an die Betäubung schließt sich die Tötung durch Entblutung an. Der Bruststich mit einem Messer erfolgt je nach Schlachthof vor oder nachdem die Schweine an einem Hinterbein an die Förderkette eingehängt werden. Werden die Blutgefäße beim Stechen verfehlt, verlängert sich die Zeit des Ausblutens und die Schweine können aus der Betäubung wiedererwachen. Außerdem herrscht in den Schlachthöfen  ein so großer Zeitdruck, dass manche Tiere schon weiter verarbeitet – d. h. in die Brühanlage geschoben – werden, bevor sie endgültig ausgeblutet sind. Das Brühen dient im Schlachtverlauf der Enthaarung der Schweine. Nach offiziellen Schätzungen gelangt etwa 1 % der Schweine ins Brühbad, die wach sind oder dort aufwachen und bei lebendigem Leib verbrüht werden. Das alles ist nicht die Regel, aber es kommt vor und meiner Meinung nach kommt es den Zahlen zufolge erschreckend oft vor! Und dessen muss man sich einfach bewusst sein.

Was kann ich dagegen machen

Eigentlich ist es ziemlich leicht, etwas gegen das Leiden dieser Tiere zu tun: kein billiges Schweinefleisch kaufen! Mir ist es einfach wichtig, mit diesem Artikel zu zeigen, welche Konsequenzen es für die Schweine hat, wenn man im Supermarkt billiges Schweinefleisch aus der Intensivhaltung kauft. Ich glaube, dass viele nicht mehr so im Bewusstsein haben, dass es sich bei dem Schnitzel auf dem Grill um ein Tier handelt, das ein Leben hatte. Es gibt natürlich auch artgerechte Schweinehaltung, so ist bei Biobetrieben zum Beispiel Stroh zum Wühlen für die Schweine Pflicht. Aber zwei Dinge müssen einem klar sein: zum einen wird es nicht möglich sein, den Fleischkonsum, den wir heute haben, mit Biofleisch zu decken. Zum anderen hängt Fleischproduktion immer mit dem Töten von Tieren zusammen. Deshalb lautet mein Resümee mal wieder: wer nicht ganz auf Schweinefleisch verzichten möchte, dem sollte dieser Genuss etwas wert sein und auf Fleisch aus artgrechter Haltung umsteigen. Und somit mit ein paar Euro mehr garantieren, dass das Tier davor ein Leben ohne unnötiges Leiden hatte. Denn gerade weil es sich bei Schweinen um so intelligente Tiere handelt, ist diese Art der Haltung und Zucht völlig unzumutbar. Ich bin gespannt, was ihr darüber denkt!

Auf dem Foto für diesen Artikel ist übrigens Strolchi, er hatte das Glück nicht geschlachtet zu werden, sondern führt ein entspanntes und glückliches Leben mit viel Matsch, Stroh und Streicheleinheiten auf dem Biolandhof. 🙂

Bis bald,
eure Lena

PS: Hier gibt es einen kurzen Beitrag des Bayríschen Rundfunks, in dem es darum geht, dass die konventionelles Haltung von Schweinen gesetzesgwidrig ist.

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