Unverpackt essen = teuer? Ein Selbstversuch.

Seit mehr als einem Jahr versuchen wir nun, unseren Alltag möglichst müllfrei zu gestalten. Oft sprechen wir mit Menschen über die Müllproblematik in Deutschland und der Welt und wie diese gelöst werden kann. Den Müll auf der individuellen Ebene zu reduzieren ist dafür ein wichtiger Schritt, der ohne eine Umstellung des alltäglichen Lebens aber nicht möglich ist. Oft hören wir das Argument, dass man sich ein müllfreies Leben erst leisten können muss. Dazu gehört, auf dem Wochenmarkt  oder auch in einem unverpackt-Laden einzukaufen. Bisher konnten wir diesem Argument nichts entgegensetzen, da wir selbst davon ausgegangen sind, dass der Einkauf dort teurer ist und haben uns dazu entschieden, für Lebensmittel mehr Geld auszugeben, dafür aber an anderer Stelle zu sparen. Nun haben wir aber beschlossen, selbst zu testen, ob an diesem Argument wirklich etwas dran ist und ein müllfreies Leben wirklich mehr Geld kostet. Eine Woche lang haben wir akribisch aufgeschrieben, welche Lebensmittel wir gekauft und was wir dafür ausgegeben haben. Das Ergebnis hat uns selbst überrascht.

Unser Experiment beginnen wir an einem Mittwoch, dort waren wir auf einem der Kieler Wochenmärkte und haben Gemüse und Obst für die nächsten Tage eingekauft. Für den müllfreien Einkauf auf dem Markt haben wir Stofftaschen in unterschiedlichen Größen und unsere Fahrradtaschen dabei. Manchmal muss man die HändlerInnen mit etwas Nachdruck darauf hinweisen, dass man keine (Papier-)Tüte haben möchte, das klappt aber in der Regel gut.

Eingekauft haben wir ein paar Äpfel für das Frühstück und für die anderen Mahlzeiten Kürbis, Möhren, Paprika, Grünkohl, Zucchini und Sellerie. Da uns die ökologische Erzeugung wichtig ist, haben wir bei einem Stand eingekauft, der Bioland zertifiziertes Gemüse und Obst anbietet. Für den gesamten Einkauf haben wir circa 12 € ausgegeben. Die Lebensmittel sollten bis zum Samstag reichen, wenn wieder Wochenmarkt ist.

Nun gilt es, bei jedem Essen die Zutaten genau zu wiegen und aufzuschreiben. Alle Kostenangaben beziehen sich auf zwei Personen. Für die Kosten pro Kopf muss der Betrag also noch durch zwei geteilt werden. Am ersten Abend haben wir gleich den Kürbis zu Suppe verarbeitet. Da er sehr ergiebig ist, ist auch das Abendessen nicht teuer und kostet uns nur 1,51€ für zwei Personen und reicht auch noch für ein Mittagessen am nächsten Tag.

Am Donnerstag gibt es dann erst einmal Frühstück. Dabei essen wir immer Haferflocken mit selbstgemachter Hafermilch (für 0,11€ pro Liter!), geschroteten Leinsamen und einem Apfel. Zusätzlich gibt es noch Brot und Aufstrich – beides selbst gemacht. Da landen wir schließlich bei 1,31€. Da sich beim Frühstück nur das Obst und der Aufstrich bei uns ändern, nehmen wir der Einfachheit halber immer den gleichen Betrag für das Frühstück. Mittags gab es dann wieder die Kürbissuppe vom Vortag und abends Grünkernbolognese mit Farfalle für 5,14€. Auch hier haben wir wieder für das Mittagessen morgen mitgekocht, d.h. es fallen jeweils 2,57€ an.

Zum Abendessen am Freitag gibt es eine Gemüsepfanne mit Reis und Sojasoße, die 4,35€ gekostet hat. Jetzt sind auch unsere Gemüsevorräte am Ende, weshalb wir am Samstag wieder auf den Markt einkaufen gehen und auch dem unverpackt-Laden einen Besuch abstatten.

Ein Einkauf im unverpackt-Laden benötigt etwas Vorbereitung, da man die Gefäße selbst mitbringen muss. Es können dort zwar welche gekauft werden, das Geld möchten wir uns aber sparen. Die Gefäße, die andere KundInnen dalassen, passen oft nicht. Deshalb überlegen wir uns genau, was wir benötigen und nehmen entsprechende Gläser und Boxen mit.

Zuerst geht es aber auf den Markt. Dort kaufen wir wieder genügend Obst und Gemüse, damit es bis zum Mittwoch, dem Ende unseres Experiments reicht. Dieses Mal kommen Wirsing, Lauch, Knoblauch,  Kartoffeln Zwiebeln, Birnen und Äpfel in unsere Stoffbeutel, wofür wir etwa 13€ ausgeben. Im unverpackt-Laden geben wir für Mehl, Leinsamen, Hafer, Grünkern und Co. mehr Geld aus, da wir dort immer auf Vorrat einkaufen.

Zur Belohnung kochen wir uns am Abend dann eine leckere Lasagne für 5,78€ und heben uns die Hälfte für das Mittagessen auf. Am Sonntag gibt es abends schließlich ein Curry (mit Kokosöl aus dem Glas statt Kokosmilch aus der Dose) für 4,26€, am Montag eine Wirsingpfanne für 3,60€ und am Dienstag, dem letzten Abend unseres Experiments, Brot mit Aufstrich, da wir keine Zeit hatten zum kochen.

Unser Brot kostet uns übrigens 2,03€ (ohne Strom), wovon wir etwas weniger als zwei Stück benötigt haben.

Wenn man das jetzt alles zusammenrechnet, haben wir für eine Woche Essen inklusive Frühstück, Mittag- und Abendessen für zwei Personen 35,98€ ausgegeben. Das macht pro Tag 5,14€ und pro Kopf 2,57€ – am Tag! Dieses Ergebnis macht uns fast sprachlos, insbesondere, weil alle Nahrungsmittel biologisch hergestellt wurden und wir nicht ein einziges Mal im Supermarkt waren. Wir müssen natürlich bedenken, dass jedes Essen frisch gemacht wurde, d.h. es gab keine Fertigzutaten. Das senkt die Kosten enorm. Um alles selbst zu machen, ist der Faktor Zeit natürlich entscheidend. Wir studieren beide und es sind gerade Semesterferien. Trotzdem schaffen wir es auch während der Prüfungsphase, unsere Aufstriche, Brote und Hafermilch selbst zu machen. Das hat am Anfang Zeit gekostet alles auszuprobieren, ist aber inzwischen Routine und in unserem Alltag eingebaut.

Wer diesen Artikel aufmerksam gelesen hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass wir keinerlei tierische Zutaten gekauft haben. Gekaufter (Bio-)Käse ist natürlich um einiges teurer als selbstgemachter Aufstrich, auch ein Stück Fleisch in entsprechender Qualität wirkt sich negativ auf die Kosten aus. Nichtsdestotrotz konnten wir mit unserem Experiment zeigen, dass ein müllfreier Einkauf und ein kostengünstiges Leben keine Widersprüche sind. Wenn man noch mehr Geld sparen möchte, dann können das Gemüse und Obst auch bei konventionellen Marktständen müllfrei eingekauft werden.

Fazit: Wir sind froh, dass wir dieses Experiment probiert haben und jetzt dem Argument, dass ein müllfreies Leben eine Frage der Kosten ist, etwas entgegensetzen können. Zwar haben wir keinen direkten Vergleich, wie viel wir für die gleichen Lebensmittel im Supermarkt gezahlt hätten, doch sind wir der Meinung, dass knapp 36€ für Lebensmittel für eine Woche und zwei Personen wenig Geld ist. Wir sind aber auch froh, dass wir jetzt nicht mehr alles im kleinsten Detail aufschreiben müssen, sondern einfach so loskochen können. Das Experiment war auch für uns eine Umstellung im Alltag. Zuvor konnten wir 100% unseres Gemüse- und Obstbedarfs über Foodsharing und Containern decken, d.h. von den 35,98€ fallen für uns in Zukunft noch circa 25€ für Obst und Gemüse weg.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel anderen Menschen die Sorge nehmen können, dass solch ein Lebensstil teuer sein muss. Was denkt ihr über unsere müllfreie Woche? Ist das für euch auch realistisch? Wo seht ihr noch Möglichkeiten Kosten zu sparen?

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Philipp

philipp@einfachleben.blog

11 Gedanken zu „Unverpackt essen = teuer? Ein Selbstversuch.

  1. Bille sagt:

    Toller Artikel aber eine Frage ist mir gekommen und zwar woraus ihr denn die Lasagne und das Curry gemacht habt ? Ihr hattet auf dem Markt ja „Lauch, Knoblauch, Kartoffeln Zwiebeln“ eingekauft ( Wirsing war ja für die Pfanne und das Obst hab ich mal rausgelassen). Und habt ihr die restlichen Zutaten der Woche in der Berechnung nun auch mit drinnen oder nur die Kosten der Einkäufe auf dem Markt plus Brot und Frühstück?

    • Philipp sagt:

      Hallo Bille, vielen Dank für deine Frage! Einige Dinge, wie bspw. Lasagneplatten oder Curry, hatten wir schon zu Hause und mussten sie nicht kaufen. Die Kosten dafür haben wir aber trotzdem in unserer Rechnung mit einbezogen

  2. Anonymous sagt:

    Das Argument „Das muss man sich aber auch leisten können“ kommt meist auch von unreflektierten Verbrauchern mit hohem Fleisch- und Wurstkonsum. Ich esse beides gerne, aber seit ich auf die Herkunft und Haltung achte, esse ich wesentlich weniger davon.
    Weil es verdammt teuer ist und weil der Preis seine Berechtigung hat. Er regt automatisch zum grübeln an.

    Euer Experiment beweist aber eindeutig, dass billige Ausreden nicht ziehen…

    • Lena sagt:

      Ja, das stimmt. Wir sind gerade auch ganz fleißig dabei Gemüse und Kräuter für den Balkon und den Schrebergarten vorzuziehen 🙂

  3. Öko-Theosoph sagt:

    Ein Mensch sollte seine Willenskraft und Liebe vergrößern. Es ist wichtig, gesundheitsbewusst zu leben und sich unegoistisch zu verhalten. Es ist sinnvoll, die körperliche Leistungsfähigkeit zu vergrößern, diverse Herausforderungen zu meistern, die Natur zu schützen usw. Und dann sollte man sich morgens unmittelbar nach dem Aufwachen auf einen Wunsch konzentrieren und sich (nochmal) in den Schlaf sinken lassen. Durch Traumsteuerung (oder im halbwachen Zustand nach dem Aufwachen) kann man zu mystischen Erfahrungen (und Heilen wie Jesus) gelangen. Der Mensch (genauer: das Ich-Bewusstsein) kann mystische Erfahrungen nicht bewirken, sondern nur vorbereiten. Bestimmte Meditations- und Yoga-Techniken, Hypnose, Präkognition usw. sind gefährlich. Traumsteuerung ist auch ohne luzides Träumen (das u. U. gefährlich ist) möglich. Man sollte sich nur dann einen luziden Traum wünschen, wenn man durch Traumdeutung herausgefunden hat, dass man dafür die nötige Reife hat. Oder man kann sich vor dem Einschlafen wünschen, dass sich nur Dinge ereignen, für die man die nötige Reife hat. Es ist gefährlich, während eines luziden Traumes zu versuchen, den eigenen schlafenden Körper wahrzunehmen. Luzide Träume dürfen nicht durch externe Reize (Drogen, akustische Signale usw.) herbeigeführt werden. Man kann sich fragen, ob eine echte (nicht nur eine eingebildete) Zeitdehnung in Träumen möglich ist. Zudem, wie sich Schlaf-Erlebnisse von Tiefschlaf-Erlebnissen (und Nahtod-Erlebnissen usw.) unterscheiden. Die Bedeutung eines symbolischen Traumgeschehens kann individuell verschieden sein und kann sich im Laufe der Zeit ändern.
    Es bedeutet eine Entheiligung der Natur, wenn Traumforscher die Hirnströme von Schlafenden messen. Die Wissenschaft darf nicht alles erforschen. Es ist z. B. gefährlich, wenn ein Mensch erforscht, ob er einen freien Willen hat. Es ist denkbar, dass ein Mensch gerade durch die Erforschung der Beschaffenheit des Willens seinen freien Willen verliert. Zudem besteht die Gefahr, dass ein Mensch verrückt wird, wenn er sich fragt (wie schon vorgekommen), ob das Leben nur eine Illusion ist. Das Leben ist real. Es kann in Teilbereichen auf wissenschaftlichen (und technischen) Fortschritt verzichtet werden. Es ist z. B. falsch, Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen. Man sollte möglichst dort wohnen, wo man arbeitet. Dadurch werden viele Privatfahrzeuge (nicht Firmenfahrzeuge) überflüssig. Es ist sinnvoll, überflüssige Dinge (Luxusgüter, Werbung, hohe leistungslose Einkommen, Kreditwesen, Urlaubsindustrie, Rüstung usw.) abzuschaffen. Der MIPS muss gesenkt werden (Regionalisierung senkt Transportkosten, ein Öko-Auto fährt über 50 Jahre, ein 1-Liter-Zweisitzer-Auto spart Sprit usw.). Ein Mensch kann im kleinen und einstöckigen 3-D-Druck-Haus (Wandstärke ca. 10 cm) mit Nano-Wärmedämmung wohnen. Wenn die Menschen sich ökologisch verhalten, kommt es zu einer günstigen Erwärmung im Winter. Denn das Klima ist (so wie das Leben) in der Lage, sich positiv weiterzuentwickeln. Außerdem muss man bedenken, dass vielleicht nicht immer Menschen auf der Erde geboren werden müssen, sondern sich in anderen Dimensionen entwickeln können. In der Medizin sollte u. a. die Linsermethode gegen Krampfadern (auch dicke) eingesetzt werden. Es ist wichtig, den Konsum von tierischen Produkten (und Süßigkeiten und Eis) zu reduzieren oder einzustellen. Hat man eine bestimmte Reife, kann man sich vegan ernähren oder von Urkost ernähren (oder sogar fast nahrungslos leben). Es ist sinnvoll, das Renteneintrittsalter abzuschaffen. Die berufliche 40-Stunden-Woche kann durch die 4-Stunden-Woche ersetzt werden (Lohnausgleich erfolgt nur zu einem kleinen Teil). Wenn die Menschen sich richtig verhalten, werden die Berufe zukünftig zunehmend und beschleunigt (!) beseitigt.

  4. Helena sagt:

    Ihr habt `nen tollen Blog:D!
    Da gibt es ein Sprichwort, das heißt „Zeit hat man nicht – Zeit nimmt man sich“. Ich bin mir sicher, wer wirklich Dinge selbst herstellen möchte, der kann das tun. Aufstriche kann man super auch auf Vorrat machen und einkochen. Es gibt viele Essen die am nächsten Tag noch super sind, wie z.B. eure Suppe (eigentlich kann man fast alles aufwärmen). Frisch kochen ist günstig, teuer sind fertige und verarbeitete Produkte.
    Ich hätte auch gerne einen unverpackt Laden. Gibt es hier aber leider nicht. Selbst im Minibioladen, indem ich arbeite, sind leider alle Lebensmittel verpackt, bis natürlich auf`s Frischesortiment. Finde ich schade. Ich wohne hier aber auch mitten in der Pampa (und das ist gut so).

    Liebe Grüße
    Helena

    • Philipp sagt:

      Hallo Helena,
      vielen Dank, das freut uns sehr, dass dir unser Blog gefällt! Ein unverpackt-Laden macht es natürlich sehr einfach aber auch ohne kann man ja sehr viel unverpacktes einkaufen. Aber klar, da stößt man dann natürlich irgendwann an Grenzen.

  5. Michelle sagt:

    Hey! Ich habe gelesen ihr verwendet anstatt der Kokosmilch aus der Dose, die Kokosmilch aus dem Glas? Wie funktioniert das genau? Kann ich es einfach 1:1 ersetzen? Danke 🙏 Michelle

    • Philipp sagt:

      Hallo Michelle,
      nicht ganz. Wir nehmen Kokosöl statt Kokosmilch und braten darin dann das Gemüse an. Wenn es dann nicht etwas mehr nach Kokos schmecken soll, fügen wir einfach noch ein bisschen am Ende hinzu.

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