Verpackungsmüll: Mülleuropameister Deutschland

In den letzten Wochen spielte Müll in immer mehr Medien eine Rolle, so berichtete der Stern in einer mehrteiligen Reihe davon und auch in der ZEIT erschien ein großer Beitrag zum Thema Plastikmüll. Die Tagesschau schockierte mit einer Meldung über neue Mikroplastikfunde in der Arktis. Das Thema Müll scheint also aktueller denn je zu sein und das hat seinen Grund. Denn auch wenn das auf dem ersten Blick nicht so aussieht – Deutschland hat ein gigantisches Müllproblem. Da dies immer wieder in Vergessenheit gerät, möchte ich hier die wichtigsten Zahlen und Fakten rund um den Müllverbrauch in Deutschland aufzeigen.

Kein anderes europäisches Land produziert so viel Verpackungsmüll wie Deutschland

Wer daheim mal in die eigenen Mülltonnen schaut, wird schnell feststellen, dass dort eine besondere Müllsorte ganz besonders häufig anzutreffen ist: Verpackungsmüll. Kein anderes europäisches Land produziert so viel Verpackungsmüll wie Deutschland. Insgesamt sind es 17,8 Mio Tonnen im Jahr – das sind rund 20% mehr als der europäische Durchschnitt.

Besonders bedenklich sind dabei Verpackungsmaterialien aus Kunststoff. Knapp sechs Millionen Tonnen Kunststoffabfall produzierte Deutschland 2015 – und es wird immer mehr. Das große Problem: dieser Kunststoffmüll wird, anders als die meisten glauben, kaum recycelt! Er wird hauptsächlich verbrannt bzw. exportiert und gelangt zunehmend in die Natur. So landen jedes Jahr alleine 1400 Tonnen deutsches Plastik im Meer.
Der Plastikmüll sammelt sich in den fünf großen Müllstrudeln in den Ozeanen. Allein der Müllstrudel im Pazifik ist 4,5 mal so groß wie die Fläche Deutschlands.  Jährlich sterben zehntausende Tiere, die sich im Plastik verfangen oder es mit Nahrung verwechseln. Bei 97% der an der Nordsee lebenden Eissturmvögel findet man Plastikmüll im Magen!

Das Problem mit dem Mikroplastik

Und das Problem wird uns noch lange begleiten, so benötigt Plastik 350 bis 400 Jahre, bis es komplett zerfällt. Bis dahin zerfällt es in immer kleinere Teile und endet als Mikroplastik. Doch damit nicht genug. Zusätzlich gelangt immer mehr Mikroplastik durch unsere Kanalisation in die Weltmeere. Forscher entdeckten jüngst eine „Rekordkonzentration“ an Mikroplastik in der Arktis: 12.000 Teilchen pro Liter Meereis. Mikroplastik gelangt über Kosmetikprodukte, das Waschen von synthetischen Textilien, Reifenabrieb und sich zersetzendes Plastik ins Grundwasser, auf Felder, ins Meer und kann von dort auch in unsere Nahrung landen. Hier findet ihr mehr Informationen über Mikroplastik.

Zudem geht die Produktion von Kunststoffmüll mit einem sehr hohen Ressourcen- und Energieverbrauch einher, was für unseren Planeten und damit auch für zukünftige Generationen ein großes Problem darstellt.

Was sind die Gründe dafür, dass insbesondere in Deutschland diese Unmengen an Verpackungsmüll anfällt?
  • Einweg statt Mehrweg: man findet immer weniger Mehrwegverpackungen in den Supermärkten.
  • Immer kleiner Füllgrößen statt Großverpackungen: inzwischen gibt es verschiedene Lebensmittel in immer kleineren Verpackungen (Beispiel Chips). Auch gibt es immer mehr Einzelhaushalte, für welche kleinere Füllgrößen angeboten werden.
  • Immer mehr to-go-Produkte: vom Café bis zum Salat, auch in den Supermärkten lässt sich immer mehr to-go finden.
  • Alle Produkte immer: egal um welche Jahreszeit, wir sind es gewohnt, dass wir im Supermarkt alles immer bekommen können. Dies hat zur Folge, dass Lebensmittel häufig lange transportiert werden müssen und so durch viel Verpackung haltbar gemacht werden.
  • Immer mehr Fast Food/Fertigprodukte: Tomatensoße aus der Dose, schon fertig geputzter Salat in der Plastiktüte, Pizza aus dem Kühlregal – in deutschen Haushalten wird immer mehr mit Fertigprodukten gekocht.
  • Kein schlechtes Gewissen: wird doch eh recycelt? Das stimmt leider nicht, so werden in Deutschland noch nicht einmal 20% des Plastikmülls recycelt. Hier findet ihr einen ausführlichen Artikel darüber, warum Recycling nicht genug ist.

Wir haben in Deutschland ein gutes Abfallsystem, so liegt kaum Müll auf den Straßen herum, außerdem sind wir bekannt als Recyclingweltmeister – das täuscht uns häufig darüber hinweg, dass wir so ein großes Müllproblem haben. Wenn wir unsere Natur, aber auch unsere Gesundheit schützen wollen, dann kommen wir nicht darum herum, Müll zu vermeiden. Und wenn man erst einmal damit angefangen hat, dann ist das auch gar nicht so schwer. Schon kleine Schritte helfen, z.B. das nächste Mal auf die Plastiktüten beim Einkaufen zu verzichten oder sich den to-go-Becher abzugewöhnen.

Wir hoffen, wir liefern euch hier auf unserem Blog genug Inspiration für den ersten und die weiteren Schritte, denn es gibt auch Positives: so gibt es immer mehr unverpackt-Läden, lokales Einkaufen wird (wieder) wichtiger oder immer mehr Upcycling-Produkte – sie alle kämpfen für eine müllfrei(er)e Zukunft. Wer ist von euch alles dabei? Was wollt ihr ändern? Oder was habt ihr schon geändert?

Eure Lena

 

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Lena

lena@einfachleben.blog

2 Gedanken zu „Verpackungsmüll: Mülleuropameister Deutschland

  1. Stadtkoenigin sagt:

    Liebe Lena,
    ein sehr aufrüttelnder Artikel. Ich fühle mich gerade (nicht von Dir) etwas verarscht, weil ich sehr gewissenhaft Müll trenne. Warum wird das nicht wiederverwertet? Manchmal ist es schwierig, besonders, wenn man Essen bestellt, was ich neulich getan habe, weil ich am Fuß verletzt bin. Was da alles an Plastik kam. Es ist traurig, denn würde man wollen, würde es gehen. Es gibt nachhaltige Verpackungsmaterialien aus Gras und To-go-Becher könnte man einfach verbieten, stattdessen eine Thermostasse für 5 Euro verkaufen, dann merken sich die Leute es irgendwann. Oder trinken ihren Kaffee halt mal in Ruhe, ein Espresso geht immer, die zehn Minuten hat man dann schon. Es gibt so vieles, was geht. Ich finde es nur furchtbar, dass man dann Vereine mit viel Geld unterstützt, dass sie nur einen Miniteil Müll wieder aus dem Meer holen können, der aber gleichzeitig um das Vielfache überstiegen wird, an Müll, der im Meer landet. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.
    Das mit den sauberen Straßen kann ich leider auch nicht bestätigen. Die schönen To-go-Becher landen überall, nur nicht im Müll. Besonders in verlasseneren Ecken, in denen die Stadtwildnis freies Spiel haben möchte, stapelt sich der Müll. Außerdem auch Zigarettenkippen, -Schachteln und Kronkorken. Ich schätze, dass das bestimmt auch Tiere essen oder in den Boden einwittert. Irgendwann können wir bestimmt unser Grundwasser vergessen. Ich weiß nicht, was das für Menschen sind, die alles rumschmeißen, aber es sind viele. Leider. Ein Bewusstsein dafür scheint in weiten Teilen der Gesellschaft nicht anzukommen. Ich hebe jetzt zumindest den Müll auf, dem ich über den Weg laufe, und werfe ihn in den nächsten Mülleimer. Trennung scheint ja eh nicht wichtig zu sein. Das werde ich demnächst auch auf meinem Blog schreiben und hoffe, damit ein paar Leute zum Mitmachen zu bewegen. Eine Bewegung für saubere Strände gibt es ja auch.
    Herzliche Grüße
    Tina von stadtkoenigin.de

    • Lena sagt:

      Liebe Tina, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich kenne das auch, man kann eigentlich kein Essen nach Hause bestellen, ohne danach einen großen Müllberg daheim zu haben… Ich finde auch, dass Einweggeschirr, Strohhalme, etc. schlicht und einfach verboten gehören, um uns und unsere Umwelt zu schützen.
      Ich finde es super, dass du dazu motivierst den Müll aus der Natur zu sammeln!! Trennung (zumindest des eigenen Mülls) ist meiner Meinung nach trotzdem sehr wichtig, da so immerhin ein Teil des Mülls recycelt werden kann. Das Problem ist einfach, dass Verpackungen inzwischen aus sehr vielen verschiedenen dünnen Schichten aus Plastik bestehen, die man immer schwieriger auseinander bekommt und daher immer schlechter recyceln kann. Ich hoffe einfach weiterhin, dass es immer mehr Menschen wie uns gibt, die das nicht länger mitmachen wollen und der Druck auf die Politik und Industrie dadurch wächst!
      Viele Grüße
      Lena

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