Welchen Einfluss hat unser Fleischkonsum auf unsere Umwelt?

Ich muss zugeben, dass ich an meinem heutigen Artikel ziemlich lange saß. Einfach weil es ein so wichtiges, aber auch so ein sensibles Thema ist. Ob man Fleisch isst oder nicht, scheint inzwischen eine ideologische Entscheidung zu sein. Deshalb auch zu Beginn: Mein Ziel ist es nicht, alle nach Lesen dieses Artikels zu Vegetariern oder Veganern umzuerziehen. Aber ich bin davon überzeugt, dass unser Fleischkonsum einen sehr großen Einfluss auf unseren Planeten und unsere Gesundheit hat und dass es sehr wichtig ist, sich dies immer wieder bewusst zu machen.

Da das Thema so groß ist, habe ich beschlossen, es in drei große Blöcke aufzuteilen: Umwelt, Tierwohl und Gesundheit. Heute starte ich mit der Umwelt. Zudem achte ich darauf, dass jede Zahl mit einem Link versehen ist, der euch zu der Quelle und weiteren Informationen führt. Das Thema Fleischkonsum wird immer wichtiger, denn auch wenn der Fleischkonsum in Deutschland leicht zurück geht,  so wird weltweit immer mehr Fleisch gegessen: seit den 1960er Jahren hat sich der weltweite Fleischverzehr mehr als vervierfacht und das hat weitreichende Folgen:

Bodenverbrauch von Fleisch

Weltweit werden 80%  der verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzfläche in Form von Weiden und Ackerland allein für die Tierhaltung in Anspruch genommen. Und durch den steigenden Fleischkonsum wird immer mehr Land benötigt. Gerade die Massentierhaltung führt dazu, dass unsere Viehbestände viel zu hoch sind, als dass sie noch von einheimisch angebauten Futtermitteln ernährt werden könnten. Daher werden jedes Jahr ca. 4,2 Millionen Tonnen Soja nach Deutschland importiert. Ohne diese Sojaimporte, die auf ehemaligen Tropenwaldflächen angebaut wurden, könnten unsere Massentierhaltungen heute nicht existieren. Die Folge sind riesige Sojaplantagen in Südamerika.

Folgen des Sojaanbaus

Durch den Soja-Anbau sind in den letzten Jahren Millionen Hektar Lebensräume vernichtet worden. Dies führt zu einem drastischen Rückgang der Artenvielfalt der Region. Die artenreichen Regenwälder müssen Monokulturen weichen. Das wiederum ist nur möglich unter hohem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. In der Folge laugen die Böden aus und können nicht mehr genutzt werden. Um neues Land zu gewinnen, wird dann unter Umständen wieder Wald abgeholzt. Der Kreislauf wiederholt sich. Das in der Vegetation der intakten Regenwälder gebundene Kohlendioxid wird in großen Mengen freigesetzt und entweicht in die Atmosphäre. Die Sojapflanzen binden zwar auch Kohlendioxid, aber nicht in der Menge, wie es beim Verbrennen der Regenwälder freigesetzt wird. Für die Erzeugung von Soja und den anschließenden Transport in unsere heimischen Tierhaltungen müssen große Mengen Energie bereitgestellt werden. Hinzu kommen die Unmengen an Pestiziden, die der Sojaanbau benötigt. Auch auf soziale Auswirkungen wie Landflucht und Hunger macht das Umweltbundesamt in diesem Zusammenhang aufmerksam.

Der größte Teil, nämlich 80 Prozent der Sojabohnen, landen schließlich als eiweißreiches Mastfutter in den Massentierhaltungen von Nordamerika und der EU, zehn Prozent werden zu Agrartreibstoffen verarbeitet, neun Prozent werden in der Margarineherstellung verwendet und nur etwa ein Prozent für andere Soja-Lebensmittel.

Welternährung

Der große Flächenverbrauch der Tierhaltung hat auch Einfluss auf die Welternährung. So belegen Weiden und Futtermittel oft Flächen, die für den Anbau von Nahrungsmittel für Menschen fehlen. Allein 35 Prozent des weltweit angebauten Getreides ist inzwischen für die Tierhaltung bestimmt. In Deutschland sind es im Schnitt sogar über 60 ProzentDie vorhandene Ackerfläche ist jedoch endlich und sie wird nicht ausreichen, wenn die Nachfrage nach Fleisch weiterhin wächst. Wir könnten viel mehr Menschen mit Getreideerzeugnissen ernähren, würden wir diese nicht massenhaft an die Tiere verfüttern, die wir essen.

Brasilien ist eines der führenden Länder im Futtermittelexport, aber etwa 60 Prozent der Bevölkerung leiden unter Mangelerscheinungen, die auf schlechte Erhährung zurückzuführen sind. Während viele Brasilianer hungern müssen, exportiert das Land Millionen Tonnen Soja. So ist es häufig in den Ländern der Tropen: Die Regenwälder werden nicht gerodet, um die eigene Bevölkerung zu ernähren, sondern für die Anlage riesiger Weideflächen für Rinder, sowie Plantagen für Soja und Palmöl.

Wasserverbrauch

Für ein Kilogramm Rindfleisch werden mehr als 15.000 Liter Wasser verbraucht, beim Schwein sind es knapp 6.000 Litern. Bei Butter sind es knapp 5.500. Für Hühnerfleisch wird im Laufe der Herstellung eine Menge von 4.300 Litern Wasser verwendet. Zum Vergleich sind es bei Früchten nur noch knapp unter 1.000 Litern und bei Gemüse nur etwas mehr als 300 Liter pro Kilogramm. Neben dem hohen Verbrauch stellt auch die Verschmutzung von Trinkwasser ein Problem dar. Zum Beispiel durch Antibiotika, die in der Massentierhaltung eingesetzt wird. Aber auch durch künstliche Düngemittel, die auf konventionell geführten Ackerflächen eingesetzt werden, um Futtermittel zu produzieren. Es wird also deutlich, dass die Auswahl unseres Essens auch einen Einfluss darauf hat, wie viel der kostbaren Ressource Wasser für unsere Ernährung verbraucht wird.

CO2-BILANZ

Unser Fleischkonsum ist einer der Hauptmotoren des Klimawandels, wie eine FAO-Studie aus dem Jahr 2006 belegt. Demnach ist die weltweite Tierhaltung und -produktion für 18 Prozent der vom Menschen zu verantwortenden Klimagas-Emissionen verantwortlich. Und damit klimaschädlicher als das gesamte weltweite Verkehrsaufkommen. Besonders schädlich (23 mal schädlicher als CO2) ist das in den Mägen von Wiederkäuern entstehende Methan. Bis zu 280 Liter täglich bilden sich im Magen einer einzigen Kuh.

Eine Studie des Worldwatch-Instituts aus dem Jahr 2009 geht noch weiter als die FAO: Die Autoren kamen auf einen Anteil der Viehhaltung von mindestens 51 Prozent an den weltweiten, durch Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen.

Daneben ist das weitaus größte Problem die Abholzung von Wäldern für Weideland. Immer tiefer fressen sich die Sojafelder in die Regenwälder Südamerikas – und beeinflussen damit auch unser Klima. Denn stirbt die ursprüngliche Vegetation ab, wird gespeicherter Kohlenstoff frei. Mit Sauerstoff verbunden, wandelt dieser sich zum Klimagas CO2. Ein Vergleich zeigt deutlich, dass tierische Lebensmittel wie Fleisch, Käse oder Butter erheblich mehr Emissionen verursachen als pflanzliche Lebensmittel. Fast ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen werden durch die Rodung von Flächen für die Viehwirtschaft verursacht.

Ist Bio besser?

Beim Vergleich landwirtschaftlich produzierter Lebensmittel schneiden Produkte aus ökologischer Landwirtschaft insgesamt besser ab als Produkte aus konventionellem Anbau, wie die folgende Grafik zeigt. Außerdem stellt sie sehr gut den großen CO2-Unterschied von Fleisch- und Milchprodukten zu Gemüsen dar:

Klimabilanz für Nahrungsmittel

Was kann man tun?

Eine bewusste Ernährung kann einen großen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten, indem man seinen Fleischkonsum und den Konsum von Milchprodukten verringert, viel Teigwaren und Kartoffeln und einen hohen Anteil Obst und Gemüse isst. Außerdem sollten die Lebensmittel aus dem ökologischen Anbau stammen und im besten Fall regional und saisonal sein, da Lagerung und Transport die CO2-Bilanzen deutlich verschlechtern. Und natürlich keine Lebensmittel wegwerfen!! In Deutschland landen jährlich 346 Millionen Kilogramm Fleisch im Müll (vor diesem Hintergrund wären nach Angaben der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin Mästung und Tod von umgerechnet 45 Millionen Hühnchen, vier Millionen Schweinen und 200.000 Rindern vermeidbar gewesen wären).

Jeder muss selbst entscheiden, was er oder sie essen will. Wenn man hin und wieder ein gutes Stück Fleisch essen möchte, das aus Biolandhaltung kommt, finde ich da auch nichts daran auszusetzten – die Menge macht den Unterschied! Denn der Konsum von Fleisch- und Milchprodukten hat einen so frappierenden Einfluss auf den Klimawandel, dass wir davor nicht die Augen verschließen dürfen: Die Abholzung der Regenwälder, die hohe CO2 Bilanz, der große Wasserverbrauch, der Einfluss auf die Welternährung (Futtermittelanbau in weniger entwickelten Ländern kann u. a. Wassermangel verschärfen und die Ernährungssituation verschlechtern), sowie zahlreiche andere Umweltprobleme, wie z. B. Überdüngung und Versauerung.

Gelänge es, die Verbraucher in Deutschland davon zu überzeugen, weniger fleischbetont zu essen und zudem weniger essbare Nahrungsmittel wegzuwerfen, würden hier und andernorts über 4 Mio. ha an Acker- und Grünland frei für andere Nutzungen. Diese Verhaltensänderungen würden die Umwelt von bis zu 67 Mio. t CO2-Äquivalenten an Treibhausgasen entlasten. Das entspricht etwa der Schadstoffmenge ganz Österreichs.“ (WWF, 2012)

Das Umweltministerium hat inzwischen beschlossen, als gutes Vorbild voran zu gehen. So werden dortigen Gästen keine Fleischprodukte mehr serviert. Zudem sollen nur Produkte aus dem ökologischen Anbau, sowie saisonale und regionale Lebensmitteln mit kurzen Transportwegen und aus fairem Handel bevorzugt verwendet werden.

Wie seht ihr das? Könntet ihr euch vorstellen,  euren Fleischkonsum etwas einzustellen? Oder macht ihr das eventuell schon? Oder fühlt ihr euch durch solche Artikel bevormundet oder sogar angegriffen? Das Thema Fleisch ist ja meist ein sehr emotionales, deshalb interessieren mich hier eure Meinungen besonders.

Bis zum nächsten Artikel dann,

eure Lena

PS: Noch ein kleiner Doku-Tipp: „cowspiracy“ (kann man bei Netflix finden), darin geht es auch um die Auswirkungen des weltweiten Fleischkonsums auf unsere Umwelt.

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