Wie wirkt sich unser Fleischkonsum auf unsere Gesundheit aus?

Vor einigen Wochen habe ich ja bereits einen Artikel zum Thema Fleischkonsum und Umwelt geschrieben. Heute kommen wir zum zweiten Teil – nämlich, wie sich Fleischkonsum auf unsere Gesundheit auswirken kann. 60 kg Fleisch(produkte) isst jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr – das ist gut doppelt so viel wie das, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Und dass zu viel Fleisch ungesund ist, das hört man ja immer wieder. Aber was genau ist das Problem, wenn wir zu viel Fleisch essen? Und was heißt überhaupt zu viel Fleisch? Auf diese Fragen möchte ich mit diesem Artikel eine Antwort geben.

Problem 1: Entstehung resistenter keime

Um unseren großen Fleischbedarf zu decken, werden viel zu viele Tiere auf viel zu engem Raum gehalten (Massentierhaltung) – die Folgen sind Stress, Hitze und Hygieneprobleme. Diese nicht artgerechte Intensivhaltung funktioniert nicht ohne Hilfsmittel, so werden sehr große Mengen Antibiotika eingesetzt, um diese industrielle Fleischerzeugung aufrecht zu erhalten. Dabei werden auch immer häufiger Reserveantibiotika eingesetzt – diese werden vor allem dann benötigt, wenn herkömmliche Antibiotika nicht mehr wirken. Je mehr diese allerdings in der Intensivtierhaltung eingesetzt werden, desto eher bilden sich Resistenzen gegen so genannte Reserveantibiotika. Je mehr Antibiotika eingesetzt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich resistente Bakterien bilden. Eine Stichprobenuntersuchung des BUND belegt, dass die gegen Antibiotika resistenten Keime mit dem Fleisch bis zum Verbraucher gelangen können. Im Februar 2017 erschien dann auch der gemeinsame Jahresbericht zu Antibiotikaresistenzen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), in welchem bei Tieren und in Lebensmitteln Keime nachgewiesen worden sind, gegen die besonders wichtige Antibiotika nicht mehr wirken, worüber sich auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin sehr besorgt zeigt. Neben entsprechenden Hygienevorschriften (auch in der eigenen Küche!), ist laut der Verbraucherzentrale Hamburg insbesondere die Abkehr von der Massentierhaltung entscheidend, um restistente Keime zu verhindern.  Zwar darf auch bei Biofleisch Antibiotika eingesetzt werden, aber nur wenn keine andere Behandlung mehr möglich ist und nur einmal im Leben der Tiere.

Problem 2: Das Risiko für bestimmte Krankheiten steigt

Seit Ende Oktober 2015 hat die WHO verarbeitetes Fleisch, wie zum Beispiel Wurst und Schinken und rotes (also von Säugetieren wie Rind, Schwein, Schaf, stammendes) Fleisch als wahr­scheinlich krebs­er­regend“ für den Menschen eingestuft. „Die Ergeb­nisse unterstützen derzeitige Empfehlungen, den Fleisch­konsum zu beschränken“, erklärte Christopher Wild, Direktor der IARC. Auch eine Studie der Universität Zürich mit knapp einer halben Millionen Menschen hat herausgefunden, dass das Risiko für einen Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch Krebs-Erkrankungen (insbesondere Darmkrebs) durch den Konsum von verarbeitetem Fleisch wie Wurst, Schinken und Speck steigen könnte (als verarbeitetes Fleisch zählen alle Produkte, die durch Räuchern, Salzen, nitrithaltiges Pökelsalz oder andere Chemikalien behandelt wurden, um sie haltbar zu machen oder geschmacklich zu verbessern). So gehen die Forscher davon aus, dass 3 Prozent der Todesfälle in der Studiengruppe hätten verhindert werden können, wenn alle Teilnehmer täglich nicht mehr als 20 Gramm verarbeitetes Fleisch gegessen hätten. Die Analysen ergaben jedoch auch, dass die Fleischliebhaber generell ungesünder lebten, was mit Sicherheit einen Einfluss auf die Zahlen hat.
Verarbeitetes Fleisch verursacht Schätzungen zufolge jedes Jahr ca. 34.000 Todesfälle weltweit, das mag im Vergleich zu eine Millionen Krebstoten nicht viel erscheinen. Dennoch ist Sabine Rohrmann (Leiterin der Studie) überzeugt: „Mit dem Rauchen aufhören ist wichtiger, als auf Fleisch zu verzichten. Doch ich würde den Menschen raten, ihren Fleischkonsum einzuschränken“.

Wie viel Fleisch ist gesund?

Im Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsforschung (DGE) heißt es, dass die Deutschen nach wie vor zu viel Fleisch essen (auch wenn der Verbrauch in den letzten Jahren gesunken ist). So empfehlen Ernährungsexperten einen Verzehr von höchstens 300-600g Fleisch oder Wurstwaren pro Woche – also maximal die Hälfte von dem was heute gegessen wird (ca. 1.200g die Woche). Diesem Wert stimmt auch der WWF zu: „Wenn wir in den ökologischen Grenzen unserer Erde bleiben wollen, sollten höchstens noch knapp drei Prozent unserer Nahrung aus Fleisch- und Wurstprodukten bestehen. Das sind etwa 300 Gramm pro Woche“, Markus Wolter ( Landwirtschaftsexperte beim WWF).

Die Menge macht’s

Man kann es nicht oft genug sagen: entscheidend ist die Menge, die wir essen. Dabei gilt es, insbesondere verarbeitete Fleischprodukte wie Aufschnitt, Wurst, etc. im Blick zu haben. So sind es gerade diese Fleischprodukte, die  den Fleischverbrauch steigen lassen und Krankheiten befördern wie ein höheres Krebsrisiko, Fettleibigkeit, Herz-Kreislauferkrankungen und die Gefahr resistenter Keime durch die Massentierhaltung erhöhen. Wie auch beim letzten Artikel lautet auch hier mein Fazit – zu viel Fleischprodukte kann für unsere Gesundheit fatale Folgen haben. Doch ein geringer Fleischkonsum wird von den meisten Ernährungsexperten als gesund angesehen. Natürlich wäre es dabei super immer auf Bio zu achten – nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern auch der Umwelt und den Tieren zuliebe! Was genau Massentierhaltung für Tiere wie Rinder, Schweine und Hühnchen bedeutet, werde ich euch in meinem nächsten Artikel über das Thema beschreiben.

Wie seht ihr das? Könntet ihr euch vorstellen euren Fleischkonsum eurer Gesundheit zuliebe einzuschränken? Oder ganz auf biologische Fleischprodukte umzusteigen?

Bis bald
Eure Lena

P.S.: Auch hier hab ich einen spannenden Doku-Tipp für euch: „Forks over Knives“. Darin werden einige internationalen Studien vorgestellt, in denen es um den Zusammenhang von Fleischkonsum und unsere Gesundheit geht

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