Wir bauen ein Insektenhotel

Nachdem wir vor einigen Wochen so erfolgreich unser erstes Vogelhäuschen gebaut hatten, waren wir natürlich hoch motiviert für unser nächstes Projekt. 🙂 Wir überlegten, wie wir der Natur noch etwas Gutes tun können und kamen schnell auf die Idee, ein Insektenhotel zu bauen. Es gibt dazu zahlreiche Bauanleitungen im Internet, viele von denen sind jedoch recht aufwendig und man hat teilweise hohe Materialkosten. Doch wir haben eine Methode gefunden, wie man schnell und unkompliziert Insekten ein neues Zuhause schenken kann.

WARUM BRAUCHEN unsere INSEKTEN HILFE?

Dass unsere Bienen bedroht sind, das haben mit Sicherheit alle schoneinmal gehört, denn inzwischen gibt es einige Initiativen, die versuchen darauf aufmerksam zu machen. In Deutschland gibt es circa 550 Arten an wild lebenden Bienen, die wertvolle Bestäubungsarbeit leisten. Diese Vielfalt ist leider nicht nur durch die Zerstörung der Lebensräume in unserer intensiv genutzten Landwirtschaft, sondern auch durch die übertriebene Ordnungsliebe in den Gärten bedroht. Inzwischen stehen sogar viele Wildbienen- und Wespenarten auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere.

Doch nicht nur Bienen, sondern viele Insektenarten  sind bedroht. Der NABU warnt vor einem Insektensterben mit bislang unbekannten Folgen in Deutschland. Allein in Nordrhein-Westfalen sei in den vergangenen 15 Jahren die Biomasse der Fluginsekten um bis zu 80 Prozent zurückgegangen.

Das klingt vielleicht im ersten Moment nicht so dramatisch, denn mal ehrlich, Insekten gehören meist nicht unbedingt zu unseren Lieblingstieren auf dieser Erde, aber wie bei so vielem würde dieser Verlust weitreichende Konsequezen nach sich ziehen.

„Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“ Albert Einstein

Ob es wirklich so dramatisch kommen würde, ist eher unwarscheinlich. Doch die Tier- und Pflanzenwelt leidet schon heute unter dem Insektenschwund. So gibt es deutlich weniger Vögel, weil ihnen eine unverzichtbare Nahrungsgrundlage fehlt. Mauersegler und Schwalben zum Beispiel sind das ganze Jahr über von Fluginsekten abhängig. Und für die Aufzucht des Nachwuchses sind fast alle Vogelarten auf eiweißreiche Kost, wie Insekten, angewiesen. Zudem sind fast 90 Prozent der europäischen Wildblumen von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Und auch 75 Prozent unserer weltweiten Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Und dies hat dann auch Auswirkungen auf die Nahrungssicherheit von uns Menschen, denn ohne die Bestäubung der Bienen, würde es auch für uns Menschen Ernteausfälle und damit deutlich weniger Obst und Gemüse geben.

In Teilen Chinas ist es schon soweit, dass die Bienen komplett durch Pestizide ausgerottet wurden – die Folge: Menschen, die auf Bäume klettern und dort die Blüten (mehr oder weniger erfolgreich) bestäuben.

Gründe für das insektensterben

Die Ursachen dieses Massensterbens sind immer noch nicht ausreichend geklärt, doch werden allgemein die folgenden Gründe als Ursachen ausgemacht:

  • Tödliche Schädlinge breiten sich durch den internationalen Handel schneller aus als bisher.
  • In der Landwirtschaft werden immer mehr für die Bienen gefährliche Pestizide eingesetzt.
  • Vielen Bienenarten gehen die Nahrungsgrundlagen teilweise verloren. So kann zum Beispiel das Immunsystem des Nachwuchses geschwächt und damit leichter zum Ziel von Schädlingen werden.
  • Luftverschmutzung könnte die Fähigkeit der Bienen beeinträchtigen, für sie attraktive Nahrung wahrzunehmen. (Während im 19. Jahrhundert Gerüche von einer Pflanze bis zu 800 Meter ausströmten, sind es heute oft nur 200 Meter.)
  • Der Klimawandel könnte die Probleme weiter verstärken, unter anderem weil sich die Blühzeiten und die Niederschlagsverteilungen ändern. Auch dadurch könnte sich das Pollenangebot verändern – unter Umständen zum Nachteil der Bienen.
INSEKTENHOTEL

Gegen das Insektensterben kann jeder ganz einfach etwas tun. Eine Blumenwiese ist auch im Balkonkasten eine Augenweide und im Garten allemal. Auch blühende Kräuter wie Thymian und Rosmarin mögen Wildbienen und Hummeln gern. Hier findet ihr eine große Auswahl an Insektenfreundlichen Pflanzen für den Garten oder den Balkon. Und ganz wichtig: statt Pestiziden sollten natürliche Mittel gegen blattfressende Insekten genutzt werden.

Und mit einem Insektenhotel kann man dem Nachwuchs von Wildbiene und Co ein Zuhause geben. Kleine und kostengünstige Ausführungen gibt es zum Beispiel in Baumärkten.  Aber man kann ein Insektenhotel auch ganz einfach selbst machen, mit Materialien, die man häufig daheim oder in der Natur findet. 🙂

BAUANLEITUNG

Ein Insektenhotel besteht klassischerweise aus verschiedenen Nisthilfen. Man kann aber auch einfach einzelne Elemente (wie z.B. einen Holzklotz) aufstellen. Wichtig ist dabei, dass die Nisthilfen einigermaßen vor Regen und Wind geschützt sind, dafür kann mann beispielsweise ein kleines Dach anbringen. Hier nun einige einfache Nisthilfen:

  • Schilfhalme, hohle Pflanzenstängel, Markstängel (z.B. Holunder): die Halme mit der Öffnung nach vorn ausrichten und fixieren, so dass sie von Vögeln nicht mehr herausgezogen werden können. Bei allen Halmbündeln darauf achten, dass zwischen der vorderen Halmöffnung und dem ersten Halmknoten 8 – 10 cm liegen.
  • Blechdose: mit Schilfhalmen oder Markstängeln stramm füllen. Um diese zu fixieren, kann man am Dosenboden zuerst eine Lehmschicht einbringen oder vor der Dosenöffnung eine Schutzhülle aus Maschendraht anbringen (Maschengröße ca. 6 – 8 mm).
  • Hohlziegel: Damit die Insekten die Löcher nutzen können, müssen sie mit Schilfhalmen gefüllt werden (anders als auf unserem Foto – das haben wir erst später herausgefunden und mussten es noch nachträglich ändern). Dabei muss man darauf achten, dass die Knoten der Halme 6–10 cm vom Eingang der Löcher entfernt liegen. Und dass die Röhren, die den Insekten als Eiablageplätze dienen, frei von Rissen sind, da sonst die Brut austrocknet.
  • Baumscheiben, Scheitholz (Nur gut getrocknete Harthölzer verwenden!):  diese werden mit Bohrlöchern bis zu 10 cm Tiefe versehen. Durchmesser der Bohrlöcher: 3 – 10 mm. Gerne also ganz unterschiedlich große Löcher bohren.
    Dabei sollten die Eingänge glatt abgeschliffen sein und keine Holzfasern überstehen, damit sich die Tiere nicht die Flügel zerreißen. Also beim Bohren den Bohrer leicht hin und her bewegen, damit das Loch schön sauber ist.
  • Dünne Äste, Reisig: bieten verschiedenen Insektenarten Zuflucht und machen sich optisch als Füllmaterial sehr gut.

Am besten bringt man das Insektenhotel in südöstlicher Richtung an, damit es sich bereits früh am Morgen erwärmt. Und keine Angst: Wildbienen und Hummeln sind nicht aggressiv. Ein bisschen Wildwuchs in einer Ecke des Gartens kann außerdem als Unterschlupf im Winter dienen.

Und für alle, die sich dafür interessieren, welche BewohnerInnen ihr Hotel bezogen haben, hat der BUND auf einer Internetseite per Fotos festgehalten, welche Bienen man am häufigsten in solchen Hotels antreffen kann und woran man sie erkennt.

Viel Spaß beim Bauen und Beobachten! 🙂

Eure Lena

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Lena

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Ein Gedanke zu „Wir bauen ein Insektenhotel

  1. Enrico sagt:

    Insektenhotels sind eine super Sache und man kann gar nicht oft genug auf deren Wichtigkeit hinweisen. Nicht nur, dass man der Umwelt damit einen Riesengefallen tut, auch werden durch die Bewohner des Hotels die richten Schädlinge des Gartens bekämpft. Man tut also auch ein bisschen was für sich selbst damit. Sehr wichtig dabei ist, dass man seinen Gästen dann aber auch wirklich neuen Lebensraum bietet. Das Hotel kann noch so schön sein, wenn sich in der näheren Umgebung nur sterile Grünflächen und importierte Blühpflanzen befinden, wird man vergeblich auch Auslastung warten. Tatsächlich sind schon wirklich einheimische Blumen, Sträucher, Pflanzen, Wildkräuter etc. immens wichtig, um den Gästen genügend Nahrung zu bieten und sie am Standort zu halten. LG Enrico

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