Superfood Apfel

5 Superfoods und ihre heimischen Alternativen

In letzter Zeit Lust gehabt auf einen Chia-Erdbeer-Mango Smoothie? Oder ein Goji-Haferflocken-Müsli? Sogenannte Superfoods sind in aller Munde und tatsächlich sollen Chia-Samen, Goji-Beeren und Co. gut für die Gesundheit sein, da sie auf geringer Menge eine hohe Konzentration wichtiger Nährstoffe enthalten. Wenn man sich allerdings nicht nur gesund, sondern auch umweltfreundlich ernähren möchte, hat man ein Problem: Goji-Beeren kommen aus China und der Mongolei, Chia-Samen aus Mexiko, andere wie Matcha aus Japan.

Können wir uns in Deutschland also solche Superfoods nicht leisten, ohne große Transportwege in Kauf zu nehmen? Doch, können wir! Es gibt nämlich auch in Deutschland eine Menge solcher Nahrungsmittel, die auch als Superfoods bezeichnet werden könnten. Werden sie aber nicht, aus welchem Grund auch immer. Hier stelle ich euch Alternativen zu den populärsten Superfoods vor. Ein Hinweis muss an dieser Stelle natürlich sein: So toll auch die deutschen Superfoods sind, auch sie ersetzen keine ausgewogene Ernährung.

Chiasamen vs. Leinsamen

Chiasamen sind inzwischen den meisten Menschen ein Begriff. Viele Produkte wie Müsliriegel oder Brot werden mit diesen Samen aus Mexiko veredelt und zu teils horrenden Preisen verkauft. Eine tolle regionale Alternative sind Leinsamen. Sie enthalten nicht nur mehr Proteine sondern auch mehr Omega-3-Fettsäuren und fast doppelt so viel Kalzium. Vergleicht man im Biosupermarkt die Preise von Lein- und Chiasamen, stellt man schnell fest, dass Chiasamen mehr als das Doppelte kosten.

Gojibeere vs. verschiedene Beeren

Die Gojibeere wird fast ausschließlich aus China importiert und ist eine wahre Vitamin- und Mineralstoffbombe. Auf 100g getrocknete Beeren erwarten einen unter anderem 18mg
Vitamin C, 2mg Vitamin B6 sowie 12mg Eisen und 100mg Magnesium und zusätzlich 12,1g Proteine. Tolle Alternativen sind Sanddorn (enthält über 1400mg Vitamin C!), Hagebutte (44 Mal mehr Vitamin C) oder schwarze Johannisbeeren (zehn Mal mehr Vitamin C). Einziger Nachteil an diesen Alternativen ist der geringere Anteil an Proteinen, die lassen sich jedoch über andere Quellen beziehen.

Quinoa vs. Dinkel oder Grünkern

Quinoa erfreut sich ebenfalls immer größerer Beliebtheit in deutschen Küchen, eine Quinoabratling ist auch etwas leckeres. Gerade für Menschen mit Glutenunverträglichkeit ist dieses Pseudogetreide optimal, zumal es hohe Werte an Eisen, Magnesium und Eiweiß aufzeigt. Doch leider ist das Anbaugebiet, die Hochebenen der Anden in Südamerika, nicht wirklich als lokal anzusehen. Wer also lieber lokal kochen möchte, der kann auf Grünkern setzen. Auch der ist glutenfrei (EDIT: das stimmt leider nicht. Danke an unsere Leserin Heidi für den Hinweis!) und kann sogar mit höheren Eisen-, Magensium- und Eiweißwerten aufwarten. Eine weitere interessante Möglichkeit, vor allem zum Backen, ist Dinkel. Er enthält ebenfalls ähnlich viele Mineralstoffe, kann aber lokal bezogen werden.

Matchatee vs. Kamillentee

Matchatee kommt aus Japan und klingt nach einem besonderen Tee, der gut für die Gesundheit sein muss. So besonders ist Matcha allerdings nicht. Er besteht schlichtweg aus gemahlenen Grünteeblättern. Es wird  argumentiert, dass dieses japanische Superfood gesünder ist als der normale grüne Tee, was daran liegt, dass Matcha aus dem Extrakt des Teeblattes zubereitet wird und kein Teeaufguss ist. Zudem soll Matchatee beruhigend wirken. Als regionale Alternativen bieten sich schließlich Kamillen- oder Hagebuttentee an. Für die müssen auch nicht 100€ und mehr pro Kilo bezahlt werden.

Açai-Beere vs. Heidelbeere

Auch die Açai-Beere gilt als Nahrungsmittel mit vielen Eigenschaften. So soll sie Krebs heilen, vor Herzkrankheiten schützen und sogar sexuell stimulierend wirken. Über eine sexuell stimulierende Frucht aus Deutschland ist mir zwar nichts bekannt, jedoch können Heidelbeeren und Sauerkirschen ebenfalls solche sekundären Pflanzenstoffe anbieten. Die Omega-3- und 6-Fettsäuren in der Açai-Beere können wir regional aus Leinsamen- oder Sonnenblumenöl beziehen. Auch hier gibt es also günstigere und einfach zu beziehende Alternativen.

Apfel – das Superfood schlechthin

Langweilig aber leider wahr. Ein Apfel enthält (fast) alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe. Vitamin C, E, B1, B2, B6 und Vitamin E sind besonders gut für das Immunsystem. Außerdem unterstützen die Mineralstoffe Kalium, Magnesium, Natrium, Calcium und Eisen dafür, dass unsere Körperzellen gesund bleiben. Die enthaltenen Ballaststoffe sorgen dafür, dass man länger satt bleibt. Der Spruch “An apple a day keeps the doctor away” ist also nicht nur ein billiger Spruch sondern enthält einen wahren Kern.

Vor der Recherche zu diesem Artikel war mir selbst nicht bewusst, wie einfach sogenannte Superfoods aus fernen Ländern mit regionalen Alternativen ersetzt werden können. Die Superfood-Industrie boomt und entsprechend viel Geld wird für Dinge ausgegeben, die auch regional und günstiger zu haben sind und dabei nicht schlechter sind.

Seid gespannt auf den nächsten Artikel!
Philipp

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Philipp

philipp@einfachleben.blog

5 Gedanken zu „5 Superfoods und ihre heimischen Alternativen

    • Philipp sagt:

      Ein großer Teil der Nährstoffe steckt in der Tat in der Schale des Apfels. Ein Apfel ohne Schale ist zwar immer noch gesund, aber lange nicht so wie wenn man die Schale mit isst.

      Viele Grüße
      Philipp

  1. Heidi Kammerer sagt:

    Hallo Phillip! Da hast du toll recherchiert und sprichst mir als Ernährungswissenschaftlerin aus der Seele. Unsere heimischen Pflanzen brauchen den Vergleich mit Superfood nicht zu scheuen. Eine kleine Korrektur habe ich dazu: Grünkern ist unreif geernteten Dinkel, der durch Trocknen haltbar gemacht wird. Als naher Verwandter zum Weizen enthält auch er Gluten und sollte bei einer nachgewiesenen Unverträglichkeit von Gluten (Zöliakie) nicht gegessen werden.

    Grüße von Heidi

    • Philipp sagt:

      Hallo Heidi,

      vielen Dank für dein Lob und v.a. für deinen Hinweis! Ich weise im Artikel jetzt entsprechend darauf hin 🙂

      Liebe Grüße
      Philipp

  2. Hanna sagt:

    Toller Aktikel; vielen Dank für die lehrreiche Zusammenfassung. Sehr schade, dass die “Grüne Welle” für viele leider auch nur ein weiteres Mittel ist, um (noch mehr) Geld zu machen.

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