Nachhaltiger Kaffee – ein Faktencheck

Kürzlich hatten wir auf Instagram eine kleine Diskussion darüber, dass Kaffee sehr umweltschädlich ist, das Hauptargument war hierbei der hohe Wasserverbrauch. Dabei ist uns aufgefallen, dass wir uns selbst noch gar nicht so viele Gedanken über die Umweltverträglichkeit von Kaffee gemacht haben, weshalb ich mich jetzt mal schlau gemacht habe: Wie umwelt- und sozialschädlich ist eigentlich Kaffee?

Kaffee spielt in Deutschland eine große Rolle, so haben im Jahr 2016 76 Prozent der Deutschen täglich oder regelmäßig Kaffee getrunken. Pro Jahr sind das insgesamt 162 Liter Kaffee pro Person man kann also sagen, dass die Diskussion auf jeden Fall eine relevante ist. Hier nun ein kleiner Faktencheck:

Die Herstellung von einem Kilo Röstkaffee benötigt Tausende Liter Wasser

Hier kann man klar und deutlich antworten: Ja! Für ein Kilogramm Kaffee werden 21.000 Liter Wasser benötigt. Nur zum Vergleich: In eine Badewanne passen etwa 140 Liter. Was ist da also in dieser unglaublichen Menge alles drin und woher kommt diese Zahl? Das Water Footprint Network hat den Wasserfußabdruck entwickelt. Hier wird nicht nur das direkt verwendete Wasser, bspw. durch das Gießen, berechnet, sondern alles Wasser, das direkt oder auch indirekt (wie z.B. durch die Produktion der Kaffeeverpackung) anfällt. Die Gesamtwassermenge wird dann in drei Kategorien aufgeteilt: grünes, blaues und graues Wasser. Ersteres ist das Wasser, das natürlich anfällt, z.B. durch Regen. Blaues Wasser ist zum Beispiel Grundwasser, das zur Nutzung gefördert wird und letzteres ist Wasser, das während der Herstellung von Kaffee verschmutzt wird. WissenschaftlerInnen haben schließlich berechnet, dass bei einer Tasse Kaffee 96% des Wasser grün sind, 1% blau und 3% grau. Das bedeutet, dass fast das gesamte benötigte Wasser natürlich vorkommt (also nicht gefördert werden musste) und nur ein kleiner Teil am Ende zum Beispiel durch Pestizide verschmutzt wurde. Kann man Kaffee also bedenkenlos trinken? Leider nein, das zeigen die nächsten Punkte!

Kinder schuften für unseren Kaffee

Bei der Recherche bin ich oft auf das Thema Kinderarbeit gestoßen, habe aber keine konkreten Zahlen gefunden. Das liegt daran, dass die zuständigen Produzenten natürlich kein Interesse haben, dass Kinderarbeit erfasst wird. Außerdem ist in vielen Ländern Kinderarbeit offiziell verboten, d.h. eine offizielle Statistik dazu gibt es nicht. Wenn man allerdings eine Plantage vor Ort besucht, wird man vom Gegenteil überzeugt. Entwicklungsminister Müller sagte zum Thema Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen im Frühjahr 2018 folgendes: “Hunderttausende Kinder arbeiten für den Kaffee, den wir trinken. Der Anteil von fair gehandeltem Kaffee, der ohne Kinderarbeit und Raubbau an der Natur produziert wird, liegt erst bei 15 Prozent”. Wenn es auch keine belastbaren Zahlen gibt, kann doch davon ausgegangen werden, dass viele Kinder dabei helfen, unseren Kaffee anzubauen.

Kaffee wird in Monokulturen angebaut

In der natürlichen Anbauweise wird Kaffee im Schatten größerer Bäume angebaut, die am meisten verbreitete Anbauweise ist jedoch der technisierte Anbau in Monokulturen unter dem Einsatz von Pflanzen- und Insektenschutzmitteln, was wiederum negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat. Die Pflanzen sind so gezüchtet, dass sie den maximalen Ertrag abwerfen. Sie benötigen dabei so viele Nährstoffe, wie der Boden sie ihnen natürlicherweise nicht zur Verfügung stellen kann. Entsprechend muss noch Mineraldünger hinzugegeben werden. Auch hier sagt der Faktencheck klar: Ja, der Großteil unseres Kaffees wird nicht biologisch in Monokulturen hergestellt.

Kaffee ist wegen des Transportweges schädlich für das klima

Kaffee wird meist in tropischen Gebieten auf Höhe des Äquators angebaut. Wer Kaffee also in Deutschland trinkt, kann hier nicht auf regionalen Kaffee zurückgreifen. Das Öko-Institut hat vor einigen Jahren für mehrere Produkte den CO2-Fußabdruck berechnet und ist hierbei bei Kaffee auf 105 Gramm CO2-Äquivalenten pro Tasse Kaffee gekommen. Auch hier hilft es, sich die Details anzuschauen. 56 Prozent fallen dabei nicht dem Transport, sondern dem Anbau zu. An zweiter Stelle kommt schließlich mit 30 Prozent überraschenderweise die Zubereitung und erst zum Schluss mit 12 Prozent der eigentliche Transport. Hier kann ich also mit einem klaren “Jein” antworten. Der Transport des Kaffees ist auf jeden Fall klimaschädlich, da er von weit her transportiert werden muss, allerdings fällt dem Transport ein vergleichsweise geringer Anteil des CO2-Fußabdrucks im Vergleich zu der weiteren Verarbeitung zu.

Kaffee ist nachhaltig, weil er einfach in den Biomüll geworfen werden kann

Dass der Kaffeesatz in den Biomüll geworfen werden kann, ist definitiv richtig. Allerdings gibt es auch hier ein ABER: Wenn man den Kaffee nicht in selbstgebrachte Behältnisse im Laden füllen lässt, ist Kaffee immer verpackt. Insbesondere die inzwischen so beliebten Kaffeekapseln stellen in Deutschland ein großes Problem dar. Laut Stiftung Warentest wurden im Jahr 2014 drei Milliarden Kapseln verbraucht. Diese Kapseln bestehen aus Aluminium oder einem Aluminium-Kunststoff-Verbund. Beides ist sehr energieaufwändig bei der Produktion. Da ist gekaufter Bohnen- oder Filterkaffee in einer verschweißten Kunststoffverpackung sehr viel umweltfreundlicher.

Wie können wir also umweltfreundlich Kaffee trinken?

Kaffee ist aus dem Alltag der meisten Deutschen nicht mehr wegzudenken, ein Verbot wird also schwierig und ist sicherlich auch nicht zielführend. Wir müssen uns also überlegen, wie wir den Kaffeekonsum nachhaltiger gestalten können. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten:

Fair Trade Kaffee kaufen

Durch den Kauf von fair gehandeltem Kaffee stellt man sicher, dass die Bauern und Bäuerinnen einen stabilen Preis für den Kaffee bekommen und nicht vom Weltmarktpreis abhängig sind. Sie schließen sich außerdem in demokratisch organisierten Kooperativen zusammen, die ihnen ein Mitspracherechte garantieren. Außerdem wird durch Fair Trade ausbeutetende Kinderarbeit bekämpft. Fair Trade bedeutet allerdings nur, dass die Arbeitsbedingungen sozial gesichert sind. Deshalb sollte man außerdem noch:

Biologisch hergestellten Kaffee kaufen

Wer monokulturellen Anbau und den Gebrauch von Pestiziden und Herbiziden nicht unterstützen möchte, kommt nicht darum, zusätzlich noch biologisch zertifizierten Kaffee zu kaufen.

Direkt gehandelten Kaffee kaufen

Bei direkt gehandeltem Kaffee handelt sich es um Kaffee, in dem es keine zwischengeschalteten AkteurInnen gibt zwischen den Kaffeeproduzenten und den VerkäuferInnen. Der Vorteil daran ist, dass so ein größerer Anteil des Erlöses an die Bäuerinnen und Bauern geht. und nicht bei Zwischenhändlern landet. Hier findet ihr eine Liste der Initiativen der sogenannten Third Wave Coffee Bewegung

Kaffee kaufen, der im Herkunftsland geröstet wird

Der Verkauf der Kaffeebohnen wirft den kleinsten Teil des Endpreises ab, die Veredelung, d.h. Röstung des Kaffees, ist am lukrativsten. Zudem sind Zölle auf gerösteten Kaffee höher als auf die Kaffeebohnen oder die Erstellung von Zertifikaten ist zu teuer für eine kleine Firma.  Es gibt entsprechend nur sehr wenige Kooperativen, die die Kaffeebohnen im Herkunftsland veredeln. Das wird normalerweise dann in Deutschland gemacht. Zwei dieser Ausnahmen sind zum Beispiel Rwashossco aus Ruanda oder der Kaffee von Avontuur aus Nicaragua, der mit dem Segelschiff nach Deutschland transportiert wurde (hier würde ich mich über Tipps von euch freuen, solltet ihr noch welche kennen).

Unverpackten Kaffee kaufen und mehrfachverwendbare Behältnisse nutzen

Oft kann man den Kaffee im Fachhandel in eigene Gefäße füllen lassen, in unverpackt-Läden, die Kaffee führen, ist dies ebenfalls möglich. Wer eine Kapselmaschine hat, kann sich eine Edelstahlkapsel kaufen, die jedes Mal neu verwendet werden kann. So muss man sich nicht die umweltschädlichen Aluminiumkapseln kaufen. Brüht man den Kaffee ganz schlicht durch einen Filter, kann man einen Edelstahlfilter verwenden und spart sich so die Kaffeefilter.

Regionalen Kaffee kaufen

Oben hatte ich ja geschrieben, dass es keinen regionalen Kaffee aus Deutschland gibt. Das stimmt nicht ganz. Eine mögliche Alternative ist koffeinfreier Lupinenkaffee, aber auch aus Eicheln und Getreide kann Kaffee hergestellt werden.

Noch ein allgemeiner Tipp am Rande: Der Kaffeesatz lässt sich auch wunderbar als Peeling, Pflanzendünger oder auch Rohrreiniger verwenden.

Ich hoffe nun, dass euch dieser Artikel einen Überblick über Kaffee und seine Umweltbilanz gegeben hat. Wie immer freue ich mich über euer Feedback zu meinen Beiträgen per E-Mail oder auch über die Kommentare unten!

Euer Philipp

P.S. Der Autor dieses Artikels trinkt selbst keinen Kaffee, es gibt also keine Interessenskonflikte 😉

 

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